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24.01.2010
NDR Info Radio: “Benz gehörte zur Seilschaft Bosl”
Artikel auf der Website von Clemens Henizu vom 23.01.2010 zu einem Radiointerview von Prof. Wolffsohn im NDR. (MP3-Datei.)
NDR Info Radio: „Wolfgang Benz wird nicht nur wegen seiner Thesen zum Anti-Islamismus kritisiert, sondern seit neuestem auch weil er bei Karl Bosl, einem ehemaligen aktiven Nationalsozialisten, promovierte und für diesen noch in den 1980er Jahren Geburtstagswürdigungen verfasste. Ist Benz aus jüdischer Sicht eigentlich zunehmend unglaubwürdig?"
Prof. Michael Wolffsohn: „Ich bin Michael Wolffsohn, deutsch-jüdischer Historiker und maße mir nicht an, für die jüdische Gemeinschaft insgesamt zu sprechen, das möchte ich auch gar nicht. Aber, bei Benz ist folgendes Problem erkennbar, und das ist kein Problem Benz alleine. Vergessen wir nicht, dass die meisten Historiker, die das Dritte Reich überlebt haben, ob sie Bosl hießen oder Theodor Schieder, oder wie auch immer, na sagen wir mal sehr zurückhaltend, nicht ganz unbelastet aus unserer heutigen demokratisch, weltoffenen Sicht, gewesen sind. Sie haben aber weiter gewirkt, sie hatten Schüler, und diese Schüler haben durchaus erstens eine gewisse Schülersolidarität bewahrt und vergessen wir nicht, dass es innerhalb und zwischen den verschiedenen Lehrern auch Seilschaften gab, von denen alle profitiert haben, und Herr Benz gehörte sicherlich zur Seilschaft Bosl, so wie der hochgeschätzte Kollege Herr Wehler zur Seilschaft von Theodor Schieder gehörte, der ein richtig knallharter nationalsozialistischer Rassist gewesen ist, und in der Bundesrepublik dann als großer Liberaler gefeiert wurde. Viele dieser Schüler haben sich von ihren Lehrern nicht abgenabelt, während sie dann in Bezug auf die allgemeine Gesellschaft weniger großzügig gewesen sind."
Prof. Michael Wolffsohn: „Ich bin Michael Wolffsohn, deutsch-jüdischer Historiker und maße mir nicht an, für die jüdische Gemeinschaft insgesamt zu sprechen, das möchte ich auch gar nicht. Aber, bei Benz ist folgendes Problem erkennbar, und das ist kein Problem Benz alleine. Vergessen wir nicht, dass die meisten Historiker, die das Dritte Reich überlebt haben, ob sie Bosl hießen oder Theodor Schieder, oder wie auch immer, na sagen wir mal sehr zurückhaltend, nicht ganz unbelastet aus unserer heutigen demokratisch, weltoffenen Sicht, gewesen sind. Sie haben aber weiter gewirkt, sie hatten Schüler, und diese Schüler haben durchaus erstens eine gewisse Schülersolidarität bewahrt und vergessen wir nicht, dass es innerhalb und zwischen den verschiedenen Lehrern auch Seilschaften gab, von denen alle profitiert haben, und Herr Benz gehörte sicherlich zur Seilschaft Bosl, so wie der hochgeschätzte Kollege Herr Wehler zur Seilschaft von Theodor Schieder gehörte, der ein richtig knallharter nationalsozialistischer Rassist gewesen ist, und in der Bundesrepublik dann als großer Liberaler gefeiert wurde. Viele dieser Schüler haben sich von ihren Lehrern nicht abgenabelt, während sie dann in Bezug auf die allgemeine Gesellschaft weniger großzügig gewesen sind."
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