Ein antisemitischer Tsunami überrollt den Globus
Das Judentum ist überall auf der Welt in existenzieller Gefahr.
Antisemitismus gibt es seit 3.000 Jahren – als lokales, nationales oder chronologisch nacheinander auftretendes Phänomen. Aber dass wir einen globalen antisemitischen Tsunami haben, das ist neu in der jüdischen Weltgeschichte.
Juden sind nirgendwo auf der Welt mehr sicher, aus verschiedenen Gründen. In Israel sind sie nicht sicher aus außenpolitischen Gründen, aber immerhin sind die Juden hier nicht abhängig von der „Gnade“ oder „Toleranz“ der nichtjüdischen Mehrheit. Diese Mehrheit ist teilweise nicht in der Lage, die Juden zu schützen, selbst wenn sie es will.
In Deutschland, Frankreich, im freien Westen allgemein und in vielen anderen Ländern besteht auch bei der politischen Führung nicht die geringste Absicht, die jüdischen Mitbürger zu schützen. Selbst in den USA, wo es immer eine starke jüdische Diaspora gab. Die Partei der Demokraten hat sich in eine linksradikale Richtung entwickelt, angeführt von Bernie Sanders, der – Ironie der Geschichte – selber Jude ist und als Speerspitze des Antizionismus und Antiisraelismus in Erscheinung tritt. Es gibt andere Vertreter dieser Radikalisierung wie die Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez (AOC). Einige New Yorker Stadtteile sind zu Brennpunkten antijüdischer Gewalt geworden, die vorwiegend von Afroamerikanern verübt wird.
Selbst die MAGA-Bewegung von Donald Trump ist seit einigen Monaten gespalten in einen projüdischen und einen antijüdisch-antiisraelischen Flügel.
Deshalb rechne ich für das weltweite Diaspora-Judentum langfristig nicht mit einer Zukunft.
Israel selbst bietet Sicherheit nach außen. Ich befürchte aber, dass das Land implodieren wird aufgrund der massiven innenpolitischen Gegensätze vor allem zwischen orthodoxen und ultraorthodoxen Juden auf der einen Seite und säkularen, weltlichen Juden auf der anderen Seite.
Ich will nicht sagen, dass ich resigniert bin, aber ich mache mir größte Sorgen in Bezug auf das Überleben der jüdischen Gemeinschaft schlechthin.
Interview mit dem Journalisten Constantin Schreiber auf Youtube und Instagram, 14. Mai 2026
