Lese-Empfehlungen

Bald jähren sich die Olympischen Spiele in München zum 50. Mal. Bunt, fröhlich und heiter sollten die Münchener Spiele werden. Sie endeten mit einem Blutbad.

Dazu haben Roman Deininger und Uwe Ritzer von der Süddeutschen Zeitung ein vortrefflich recherchiertes und packend geschriebenes Buch veröffentlicht: Die Spiele des Jahrhunderts. Olympia 1972, der Terror und das neue Deutschland.

Bunt, fröhlich und heiter sollten die Münchener Spiele 1972 werden. Sozusagen das neu- und bundesdeutsche Kontrastprogramm zu Hitler-Deutschlands Olympischen Spielen 1936 in Berlin. Am 5. September 1972 war Schluss mit lustig. Palästinensische Terroristen überfielen Israels Olympioniken. Am Ende ein Blutbad. Doch „The games must go on“, entschied der amerikanische IOC-Präsident Avery Brundage, einst bekennender und aktiver Freund der Nazis. Die historischen Hintergründe der Spiele von 1936 und 1972, ihre weltpolitisch-psychologische Verflechtung, die zunächst wirklich heitere und entspannte Münchener Olympiade, den Terroranschlag, die außen- und sicherheitspolitischen Verwicklungen sowie die diversen Nachspiele bis in die Gegenwart schildern die Autoren. Wärmstens empfohlen sei dieses Buch allen, die wissen wollen, wie „es“ dazu kam und warum es wie weiterging.

7. Januar 2022

(wird fortgesetzt)


Avraham Siluk: Die Juden im politischen System des Alten Reiches

Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation war auch in der Frühen Neuzeit kein Paradies auf Erden für Juden (und Nichtjuden), aber längst nicht so (vor)höllisch wie kühne Geschichtskonstrukteure und vor allem geschichtelnde Tischgesellschaften, Journalisten oder Politiker erzählen.

Dieser Tage las ich von Avraham Siluk: Die Juden im politischen System des Alten Reiches, De Gruyter / Oldenbourg, München 2021. Wer wissen will, wird's mögen.

Diese Lesezeit lohnt mehr als die meisten Veranstaltungen zu „1700 Jahre Juden in Deutschland“.

20. Dezember 2021


Franz Kafka – Die Zeichnungen

Einige wenige kannte man ja schon aus den bisher veröffentlichten Werken, aber eben nur wenige. Seine minimalistischen Bilder beinhalten ein Maximum an inneren Aussagen, die Kafka sichtbar machte. Insofern sind die Zeichnungen Kafka II, also der große Dichter Kafka mit anderen Mitteln, den Mitteln der Bildenden Kunst. Atemberaubend. Für diejenigen, die noch nie Kafka gelesen haben (ein echtes Defizit), sind diese Zeichnungen der optimale Einstieg: Vom Bild zum Wort. „Hier wird's Ereignis“.

Franz Kafka –  Die Zeichnungen. 368 Seiten mit 229 farbigen Abbildungen. Verlag C.H.Beck. Preis: 45,00 €

16. November 2021


Michael Mertes: Zyklen der Macht. Dynamik und Stagnation, Aufstieg und Niedergang in der Politik

Seit langer Zeit das (für mich) erste und wirklich nützliche Politik-Sachbuch, das Theorie und jahrzehntelange Praxis miteinander verbindet. Kein Wunder, denn Michael Mertes gehörte lange Zeit zum engsten Kreis um Bundeskanzler Helmut Kohl. Er zählte spätestens seit der Ära der Wiedervereinigung bis zum Ende der Kohl-Kanzlerschaft zur Kohl-Morgenrunde und konnte auf diese Weise, beratend und beobachtend, Kohls Gipfel-Aufstieg und dessen Abstieg bis zum unfreiwilligen Ausstieg, nach der Wahl 1998, erleben. Danach war er Staatssekretär in Nordrhein-Westfalen und Vertreter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Israel. Nicht uninteressant: Sein Vater, Alois Mertes, war einer der wenigen echten CDU-Außenpolitiker. Sein Bruder Klaus deckte als Erster den Missbrauch in der Welt der Katholischen Kirche auf und machte ihn öffentlich. Michael Mertes hat Politik als Handwerk und mit gelebter Ethik sozusagen mit Muttermilch eingesogen. Die meisten Politiker-Bücher sind Selbstbeweihräucherung. Dieses liefert Analyse und Reflexion. Den jetzt erfolgten Niedergang der CDU hat Michael Mertes analytisch in diesem Buch vorhergesagt. Sehr zu empfehlen.

Gar nicht nebenbei: Michael Mertes ist auch ein Schöngeist. Er hat je ein zweisprachiges Buch mit seinen wunderbaren Übersetzungen aller Shakespeare-Sonette und der Gedichte von John Donne veröffentlicht.

Das Buch ist erschienen im Bouvier Verlag, Bonn 2021, 206 Seiten, 24 €

21. Oktober 2021

 

 

 

 

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